Escitalopram Tagebuch

Escitalopram ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Er wird in der Behandlung von Depressionen, Panikstörungen, Sozialphobien, generalisierten Angststörungen und Zwangsstörungen verwendet.(Quelle: Wikipedia)

Um euch einen Einblick in das Medikament zu ermöglichen, verlinke ich den Beipackzettel:
http://www.apotheken-umschau.de/do/extern/medfinder/medikament-arzneimittel-information-Cipralex-10mg-Filmtabletten-A89380.html


1. Tag

Meine Ärzte verordneten mir Escitalopram 10 mg. Ich werde in der ersten Woche täglich eine halbe Tabletten nehmen, in der zweiten Woche dann auf Eine täglich erhöhen.
Mir persönlich fällt es sehr schwer mich auf die Tabletten einzulassen und auch die schier endlose Liste der Nebenwirkungen verbessert meine Einstellung des Medikamentes gegenüber nicht grade.
Meine größte Angst war, dass mich die Tabletten verändern, was jedoch auf unbewussten Vorurteilen beruht. Ich hatte und habe ehrlich gesagt ein bisschen Angst vor den ersten Wochen mit Escitalopram weiß jedoch auch, dass ich etwas ändern muss, um meine Angst zu besiegen.

Ich denke ich werde noch ein bisschen Zeit brauchen, um mir einzugestehen, dass ich meine Angst nicht allein bewältigen kann und das es kein Beinbruch ist, sich mit Tabletten zu helfen. In der Hinsicht bin ich sehr streng zu mir selbst.

Nichtsdestotrotz habe ich heute morgen meine erste halbe Tabletten eingenommen. Mir ist ein bisschen flau im Magen, geht es aber ansonsten gut.

1 Kommentar 3.10.15 13:19, kommentieren

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Köln - Zeit für Veränderungen

Ich komme mit meiner Angst im Alltag eigentlich gut zurecht.Meine Arbeit macht mir Spaß und ich habe dort keinerlei Probleme. Auch Einkaufen oder Feiern mit Freunden (allerdings nur in nahe gelegenen Orten) bereitet mir keine Angst. Mir ist nur sehr wichtig zu wissen, dass ich IMMER die Möglichkeit habe nach Hause zu kommen. Die Angst vor Übelkeit oder Durchfall ist eigentlich immer da, ich fühle mich nur sicher mir dem Gedanken, nach Hause fahren zu können, falls sie einsetzt.

Durch meine Entscheidung ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kindergarten zu absolvieren habe ich mich jedoch dazu verpflichtet an insgesamt 25 Seminar-Tagen in Köln teilzunehmen, welche in 5 Blöcke mit einer Dauer von jeweils 5 Tagen gegliedert sind.
Von meinem Wohnort aus erreiche ich Köln mit der Bahn in etwa drei Stunden.

Letze Woche musste ich dann die Reise zu meinem ersten Seminar auf mich nehmen.
Mit jedem Tag an dem das Seminar näher rückte, fühlte ich mich nervöser, aufgeregter und allgemein schlechter. Zwischendurch motivierte ich mich jedoch selbst dazu, eine schöne Woche mit netten Menschen verbringen zu können, sodass grade in den letzten zwei Tagen vor meiner Abreise die Angst nicht so groß zu sein schien.

Bis zu der Nacht vor der Abreise.Ich lag die ganze Nacht wach.
Konnte weder schlafen, noch ruhig in meinem Bett liegen.
Ich zitterte ununterbrochen, weinte die ganze Nacht und war völlig aufgelöst.
Meine Mutter versuchte mich jedoch, so gut es ihr möglich ist, zu unterstützen und so nahm ich meinen Mut zusammen und lies mich von ihr zum Bahnhof in eine circa 15 Kilometer entfernte Stadt bringen.

Auf dem Weg zum Bahnhof hatte ich kalte, schweißnasse Hände, mir war übel und ich fühlte mich einfach schrecklich..Da ich jedoch in der Nacht nicht mit Durchfall zu kämpfen hatte, war ich guter Dinge die Zeit in Köln überstehen zu können.Ich verabschiedete mich also und traf am Bahnsteig eine alte Klassenkameradin, die ebenfalls das Seminar besuchte. Ich dachte, sie könnte mir die Fahrt und den Aufenthalt vielleicht erleichtern, was jedoch nicht der Fall war.
Bereits im Zug wurde mir extrem schlecht. Ich hatte Durchfall und musste mich übergeben, wollte jedoch nicht so schnell aufgeben und war mir sicher, die Jugendherberge, in der unser Seminar stattfinden sollte, zu erreichen.
Dies schaffte ich auch, was mir erst neuen Mut und Kraft für den Aufenthalt gab.
In den ersten paar Stunden des Seminars ging es mir erstaunlich gut. Ich hatte keine Panik-Attacke und schien die Situation im Griff zu haben, was mich auch ein bisschen stolz werden lies.

Bis der Abend einsetze..
Ich kann nicht sagen, was der Auslöser für die Attacke war, die mir eine meiner schlimmsten Nächte bescherte, aber sie war stärker denn je.
So schnell ich konnte zog ich mich in mein Zimmer zurück (Ich hatte das Glück ein Einzelzimmer zu haben, was mir im Vorfeld einen Teil der Angst davor nahm, mich vor anderen Menschen übergeben zu müssen oder überhaupt mit mir fremden Menschen in einem Zimmer schlafen zu müssen) um alleine zu sein.
Ich weinte ununterbrochen, konnte kaum kontrollieren was mit meinem Körper passierte und war sehr aufgelöst.Ich lag die zweite Nacht in Folge wach, konnte mich selbst nicht beruhigen, musste mich übergeben und litt an Durchfall.
Mir kam die Nacht endlos vor und ich konnte mir nur mit dem Gedanken, dass ich direkt am nächsten Morgen die Heimreise antreten würde, helfen.
Ich steigerte mich immer mehr in meine Angst hinein und in den Gedanken, dass es nicht schlimmer sein konnte.Nach endlosen Stunden und wenn überhaupt 1 Stunde Schlaf stand dann das Frühstück mit den anderen Seminarteilnehmern, die alle sehr nett waren, an. Bereits vor dem Frühstück hatte ich mein Bett abgezogen, meinen Koffer gepackt und war für die Abreise bereit.
Ein Gespräch mit meiner Seminarleiterin überzeugte mich dann jedoch davon, einen Arzt aufzusuchen um Klarheit zu bekommen, ob es sich vielleicht um eine Magendarmgrippe handele und falls dies nicht der Fall wäre, doch noch die gesamte Seminarzeit bleiben zu können.So irrte ich also durch Köln auf der Suche nach einen Allgemeinmediziner und ich wurde auch schnell fündig.Nach einer einstündigen Wartezeit, empfing mich eine nette Ärztin, die mir dann meinen ersehnten Krankenschein ausfüllte, was mein Ticket in Richtung Heimat bedeutet.
Wo ich mich noch auf dem Hinweg zum Arzt schlecht fühlte, Bauchschmerzen und Übelkeit hatte, schien mir bereits auf dem Rückweg zur Jugendherberge nichts mehr zu fehlen.
Ich war einfach erleichtert nach Hause zu können.
Auch während der Zugfahrt hatte ich keinerlei Probleme.

Als ich zu Hause ankam setze sich bei mir jedoch das Gefühl ein versagt zu haben und gegen die Angst verloren zu haben. Mir war klar, dass mein Leben nicht lebenswert ist ohne die Möglichkeit, die Dinge zu tun, die man tun möchte.Ich musste etwas verbessern.

Eine Freundin der Familie arbeitet in einer Psychiatrie und nach einem Gespräch mit ihr, einem Facharzt und meinem Hausarzt entschied ich mich dazu mit Tabletten gegen meine Angst zu kämpfen.

3.10.15 13:07, kommentieren